Volkswirtschaftliche Effekte der Biomethanproduktion in Österreich

Zuletzt aktualisiert: 19.05.2026


Die vorliegende Studie der Servicestelle Erneuerbare Gase (SEG) quantifiziert die makroökonomischen Effekte eines Ausbaus der heimischen Biomethanproduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 
 
Österreich bezog zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine rund 80 Prozent seines Erdgases aus Russland. Seitdem wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, die Versorgung zu diversifizieren. Mit dem Auslaufen des ukrainisch-russischen Transitvertrags Anfang 2025 entfiel die traditionelle Importroute vollständig. Die strukturelle Abhängigkeit von Erdgasimporten besteht jedoch weiterhin, und die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Belastungen sind in der Außenhandelsbilanz klar ablesbar: Über den Zeitraum 2014 bis 2024 wies Österreich durchgehend ein erhebliches Importdefizit im Gasbereich auf, das im Krisenjahr 2022 einen historischen Höchststand erreichte.
 
Vor diesem Hintergrund untersucht die Studie Biomethan als inländisch produzierbaren, erneuerbaren Energieträger, der in die bestehende Gasinfrastruktur eingespeist werden kann und damit eine direkte Substitutionsoption für importiertes Erdgas darstellt. Der analytische Fokus liegt dabei auf den volkswirtschaftlichen Konsequenzen einer Biomethan-Produktion in Österreich.
 
Die Analyse unterscheidet methodisch zwischen drei Themenbereichen: den einmaligen Effekten der Investitionsphase, also der Errichtung neuer Anlagenkapazitäten, den dauerhaften Effekten des laufenden Betriebs sowie den fiskalischen Rückflüssen an den öffentlichen Haushalt aus beiden Phasen. Als methodische Grundlage dient eine Input-Output-Analyse auf Basis der österreichischen Input-Output-Tabellen der Statistik Austria (Basisjahr 2021) sowie aktueller Kostendaten aus dem SEG-Marktbericht 2025. Die Berechnungen berücksichtigen unterschiedliche Anlagentypen nach Rohstoffpfad, konkret landwirtschaftliche Substrate und biogene Abfälle, sowie deren erwartete Anteile im Zuge eines Markthochlaufs.
 
Für die Investitionsphase werden Bruttowertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte dargestellt, aufgeschlüsselt nach direkten Effekten in den investitionsrelevanten Sektoren, indirekten Effekten in vorgelagerten Lieferketten sowie induzierten Effekten durch zusätzliche Einkommen und Konsumausgaben. Dabei wird auch die sektorale Investitionsstruktur von Biomethananlagen im Vergleich zu herkömmlichen Biogasanlagen mit Verstromung analysiert und methodisch begründet. Für die Betriebsphase werden die entsprechenden Effekte gesondert quantifiziert, wobei sich die relevanten Vorleistungssektoren strukturell verschieben: hin zu Landwirtschaft, Transport und technischer Instandhaltung, mit entsprechend anderen Wertschöpfungs- und Beschäftigungsprofilen. Für die fiskalischen Rückflüsse werden Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge, Produktionsabgaben, Körperschaftsteuer sowie Umsatzsteuereffekte aus dem induzierten Konsum berücksichtigt, jeweils getrennt für Investitions- und Betriebsphase ausgewiesen.
 
Die Studie liefert damit eine quantitative Grundlage für die energiepolitische Diskussion rund um den Biomethan-Hochlauf in Österreich.

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