Die vorliegende Studie der Servicestelle Erneuerbare Gase (SEG) quantifiziert die makroökonomischen Effekte eines Ausbaus der heimischen Biomethanproduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Österreich bezog zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine rund 80 Prozent seines Erdgases aus Russland. Seitdem
wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, die Versorgung zu diversifizieren. Mit dem Auslaufen des ukrainisch-russischen
Transitvertrags Anfang 2025 entfiel die traditionelle Importroute vollständig. Die strukturelle Abhängigkeit von Erdgasimporten besteht jedoch weiterhin, und die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Belastungen sind in der Außenhandelsbilanz klar
ablesbar: Über den Zeitraum 2014 bis 2024 wies Österreich durchgehend ein erhebliches Importdefizit im Gasbereich auf, das
im Krisenjahr 2022 einen historischen Höchststand erreichte.
Vor diesem Hintergrund untersucht die Studie Biomethan als inländisch produzierbaren, erneuerbaren Energieträger, der in die bestehende Gasinfrastruktur eingespeist werden kann und damit eine direkte Substitutionsoption für importiertes
Erdgas darstellt. Der analytische Fokus liegt dabei auf den volkswirtschaftlichen Konsequenzen einer Biomethan-Produktion
in Österreich.
Die Analyse unterscheidet methodisch zwischen drei Themenbereichen: den einmaligen Effekten der Investitionsphase, also der Errichtung neuer Anlagenkapazitäten, den dauerhaften Effekten des laufenden Betriebs sowie den fiskalischen Rückflüssen an den öffentlichen Haushalt aus beiden Phasen. Als methodische Grundlage dient eine Input-Output-Analyse auf Basis der österreichischen
Input-Output-Tabellen der Statistik Austria (Basisjahr 2021) sowie aktueller Kostendaten aus dem SEG-Marktbericht 2025. Die
Berechnungen berücksichtigen unterschiedliche Anlagentypen nach Rohstoffpfad, konkret landwirtschaftliche Substrate und biogene
Abfälle, sowie deren erwartete Anteile im Zuge eines Markthochlaufs.
Für die Investitionsphase werden Bruttowertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte dargestellt, aufgeschlüsselt nach direkten Effekten in den investitionsrelevanten Sektoren, indirekten Effekten in vorgelagerten
Lieferketten sowie induzierten Effekten durch zusätzliche Einkommen und Konsumausgaben. Dabei wird auch die sektorale Investitionsstruktur
von Biomethananlagen im Vergleich zu herkömmlichen Biogasanlagen mit Verstromung analysiert und methodisch begründet. Für
die Betriebsphase werden die entsprechenden Effekte gesondert quantifiziert, wobei sich die relevanten Vorleistungssektoren
strukturell verschieben: hin zu Landwirtschaft, Transport und technischer Instandhaltung, mit entsprechend anderen Wertschöpfungs-
und Beschäftigungsprofilen. Für die fiskalischen Rückflüsse werden Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge, Produktionsabgaben,
Körperschaftsteuer sowie Umsatzsteuereffekte aus dem induzierten Konsum berücksichtigt, jeweils getrennt für Investitions-
und Betriebsphase ausgewiesen.
Die Studie liefert damit eine quantitative Grundlage für die energiepolitische Diskussion rund um den Biomethan-Hochlauf in Österreich.











